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Nubbelverbrennung

5. März | 22:00 - 23:59

kostenlos

Nubbel ist ein kölscher Begriff, der schon im 18. Jahrhundert im Sprachgebrauch war. Er wird benutzt, wenn man keine näheren Angaben machen kann oder will z. B. „Nubbels Chris“ („irgendwer“), „dä es beim Nubbel“ („der ist irgendwo“), „dat wor dä Nubbel“ („das war irgendwer“). Im Standardwerk der kölschen Sprache “Wörterbuch der kölschen Mundart” von 1905 findet er jedoch keine Erwähnung, jedoch der Zachaies.[2] Adam Wrede[3] und Will Hermanns[4] erwähnen und erläutern das Wort.

Nubbel ist eine andere, hauptsächlich im Kölner Raum verwendete Bezeichnung des „Zacheies“ (kölsche Form des hebräischen Zachäus), der zum Ausklang einer Kirmes verbrannt wurde. In Köln-Poll hat sich die Tradition über die Jahrhunderte zumindest erhalten.[5] Heute wird dort der Zacheies vom Poller Maigeloog symbolisch in den Rhein geworfen[6] und in der Nacht zum 1. Mai wieder gefischt.[7] In Köln-Buchheim wurde 1913 eine Verbrennung anlässlich einer der ältesten rechtsrheinischen Kirmessen, der Buchheimer Kirmes, angekündigt. Daraufhin wurde die Kirmes verboten. Erst ab 1950 gibt es anlässlich der Kirmes von St. Severin wieder eine Zacheiesverbrennung in der Kölner Innenstadt. Eine Strohpuppe wird zu Beginn der Kirmes auf dem Kirmesplatz oder vor einer Wirtschaft aufgehängt. Diese Puppe verkörpert die Kirmes. Am letzten Kirmestag wird sie verbrannt oder begraben. Dieser Zacheies wird auch Nubbel genannt.[8]

Die Verbrennung einer Figur im Zusammenhang mit dem Karneval ist im Rheinland seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts historisch fassbar. Der Kölner Ernst Weyden schreibt in seinen Erinnerungen über die 1820er-Jahre, in denen in Köln das Fastnachtsgeschehen neu geordnet wurde, dass am Aschermittwoch „die Fastnacht begraben“ wurde: „Mit förmlichem Leichengeleite trug man eine Puppe auf einer Bahre durch die Stadt und verbrannte dieselbe auf einem Platze.“ Weyden bezieht das Geschehen auf einen „alten Festgebrauch, der sich noch im südlichen Deutschland und selbst in Griechenland erhalten hat“, und will eine „pomphafte Begräbnisfeier der Fastnacht“ als Fastnachtsspiel auch 1812 bei den damals in Köln stationierten napoleonischen Truppen gesehen haben.[9]

Der Anthropologe James Frazer sah in Bräuchen wie dem mimischen Tod des Karnevals eine Verwandtschaft zu ähnlichen Bräuchen in anderen Kulturen, bei denen der Scheintod eines göttlichen oder übernatürlichen Wesens eine Rolle spielt – als Voraussetzung für eine Auferstehung in einer besseren Gestalt. Anderswo ist es der Tod selbst, der dramatisch hingerichtet wird. Die Verbrennung einer Karnevalsfigur aus Stroh oder Pappe am Veilchendienstag oder auch am Aschermittwoch berichtet Frazer aus Latium, den Abruzzen, aus Katalonien, der Provence und der Normandie, anderswo wird die Puppe begraben (im Lechrain), ertränkt (Jülich) oder aufgehängt (Raum Tübingen). In einigen Ardennendörfern soll es Scheingerichte und Scheinhinrichtungen gegeben haben; der „Karnevalsdienstag“, der Karneval im französischen Sprachgebiet als Mardi Gras, wurde durch einen jungen Mann verkörpert, auf den mit Platzpatronen geschossen wurde. Nach einem tödlichen Unfall in Vrigne-aux-Bois habe dieser Brauch jedoch aufgehört. Das „Hinaustragen des Todes“ mit ähnlichen Merkmalen beschrieb Frazer für Mittelfranken, Bayern, Thüringen und Schlesien, und zwar als Mittfastenbrauch am Vierten Fastensonntag.[10]

Details

Datum:
5. März
Zeit:
22:00 - 23:59
Eintritt:
kostenlos

Veranstaltungsort

Alte Krähe
Ahrstraße 21
Krälingen, Rheinland Pfalz 53505 Deutschland
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Telefon:
+49 (0)2643 9579678
Website:
https://alte-kraehe.de

Veranstalter

Unerhört e.V.